Landrat Kai Seefried entsendet die Helfer am Mittwochabend persönlich in diesen besonderen Einsatz. An seiner Seite steht — sichtlich bewegt — Vizekonsul Borys Drogomyretskyi vom Generalkonsulat der Ukraine in Hamburg: Die kontinuierliche Hilfe aus dem Landkreis Stade sei alles andere als selbstverständlich. Fahrzeuge und Hilfsgüter im Wert von 250.000 Euro werden diesmal ins kriegsgebeutelte Land gebracht — ein neuer Rekord. Viele der Freiwilligen sind zum wiederholten Mal dabei. „Das ist einfach eine richtig tolle Mannschaft“, sagt Einsatzleiter Wilfried Sprekels.
Der Fahrzeugtross kommt auf dem 1200 Kilometer langen Weg an die polnisch-ukrainische Grenze gut voran, trotz regelmäßiger Pausen zum Tanken und für Fahrerwechsel. Bei Krakau sehen die Stader einen Militärtransport auf der Autobahn — und Militärflugzeuge am Airport. Nach 22 Stunden erreichen sie das Hotel in Radymno, in dem sie für zwei Tage unterkommen. Hier treffen sie am nächsten Morgen beim Frühstück die ukrainischen Fahrer, die den Konvoi übernehmen und beim nahen Grenzübergang Korczowa in die Ukraine bringen. Jeder von ihnen hat Angehörige und Freunde in diesem Krieg verloren.
Der ukrainische Geschäftsmann Grischa Kaflowsky begleitet den Konvoi mit seinem Sohn Sascha. Die beiden werden mit einem Hilfsfonds in Lwiw die Verteilung der Hilfsgüter koordinieren. Sie erleben bange Stunden, als die Nachricht von einem verheerenden Raketen- und Drohnenangriff auf Kiew auf ihren Smartphones aufleuchtet. 24 Menschen sterben, mindestens 48 werden verletzt. In unmittelbarer Nachbarschaft zu Grischas Haus gibt es große Schäden. Seine Frau Halyna ist dort — und zunächst telefonisch nicht erreichbar. Das lässt keinen der Mitreisenden kalt. Vater und Sohn sind in großer Sorge — bis Halyna sich endlich meldet: Sie ist unversehrt. Kurz darauf erhält die Konvoi-Crew zudem die Nachricht, dass die zwei am Montag in Stade mit Dutzenden Paletten Hilfsgütern beladenen Lkw das Lager in Kiew erreicht haben.

Gruppenbild vor der Fahrt an die Grenze: Die Einsatzkräfte aus dem Landkreis Stade trafen in Radymno die ukrainischen Fahrer, die den Konvoi übernahmen.© Landkreis Stade / Daniel Beneke Tief bewegt bringen die Stader Helfer am Freitagmittag den Konvoi zur Grenzstation Korczowa. Der Konvoi wird direkt abgefertigt. Bereits eine halbe Stunde kommt die SMS aus der Ukraine: Die ersten Fahrzeuge haben die Grenze passiert. Am Nachmittag erreichen alle neun Wagen Lwiw. Als die Stader am Sonnabend auf der Heimreise sind, melden sich die Kaflowskys per SMS: „Danke nochmals und bis zum nächsten Mal.“ Für die Zeit nach dem Krieg hat die Familie die Helfer zu sich nach Kiew eingeladen. „Und bis es soweit ist, werden wir mit unserer Hilfe nicht nachlassen“, verspricht Einsatzleiter Sprekels.
Spendenkonten
Die Hilfsaktion wird fortgesetzt. Spenden können unter dem Stichwort „Ukraine-Hilfe Landkreis Stade“ auf folgende Konten eingezahlt werden:
- DRK-Kreisverband Stade Flüchtlingshilfe gGmbH, IBAN: DE 91 2419 1015 1009 3346 00
- Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. – Regionalverband Bremen-Verden, IBAN: DE 16 3702 0500 0004 3107 18.





